Das fünfte Kriegswochenende

31. März 2022

31 Menschen, 31 Mal Ungewissheit und Angst

Von Freitagabend bis Sonntagabend waren wir mit sieben Fahrzeugen unterwegs. Freitagabend ging es mit einem PKW und zwei Fahrern recht spontan nach Łódź, von wo aus wir eine junge Frau nach Dresden transportierten. Von dort aus fuhr die 20-Jährige weiter mit ihren neuen Gastgebern nach Zwickau. Rund zwei Stunden später folgte eine Sprachnachricht aus Westsachsen – es hatte lecker Frühstück gegeben und bei der jungen Frau waren einige Freudentränen gekullert.

Es waren auch Tränen der Erleichterung, und sie brachten zum Ausdruck, was wir am Folgetag beim Konvoi erlebten, der am Samstagabend, 23 Uhr, mit vier Kleinbussen, zwei PKW und zwölf Fahrerinnen und Fahrern startete. Diverse haarsträubende Verbrechen, die in den letzten Wochen an geflüchteten Frauen und Kindern verübt wurden, haben sich bei den vorm Krieg geflüchteten Menschen herumgesprochen und für viel Besorgnis und teils auch Angst gesorgt. So war es für die Besatzung des ersten Transports von Łódź nach Dresden eine große Herausforderung, bei der jungen Frau das nötige Vertrauen herzustellen. Was nur allzu gut nachvollziehbar ist, da diese mitten in der Nacht bei zwei wildfremden Männern ins Auto stieg.

Unser Konvoi machte identische Erfahrungen am Sonntagvormittag bei Budomierz und in Korczowa. Einerseits wurden auch dort die Sicherheitsvorkehrungen und Registrierungsbemühungen deutlich erhöht, andererseits war bei den Geflüchteten selbst viel Skepsis und Angst spürbar. Niemand stieg spontan und leichtfertig zu, überall galt es zunächst, ein Mindestmaß an Vertrauen herzustellen.

Glücklicherweise gelang es uns, unsere Kapazität auszuschöpfen. Nachdem wir Spendengüter in Budomierz abgegeben hatten – ein großes Dankeschön geht an dieser Stelle an die Sportfreunde vom VfB Hellerau-Klotzsche, die eine Spendensammlung organisiert und uns die Güter mit auf den Weg gegeben haben! – transportierten wir 30 Menschen mit in die sächsische Landeshauptstadt, wo wir am Sonntagabend gegen 21 Uhr sicher wieder eintrafen. 20 Menschen blieben in Dresden und anderen Orten Sachsens, zehn weitere Menschen reisten nach einer kurzen Nacht in der Bahnhofsmission am Montagmorgen weiter nach Hamburg.

Auch dieses Mal gelang es uns, alle Menschen – teils nach vorübergehenden Quartieren – in privaten Haushalten unterzubringen.

Und auch dieses Mal nahmen wir wieder Eindrücke mit, die unter die Haut gingen. Von riesiger Dankbarkeit über Nahrungsmittel und Hygieneartikel in Budomierz bis zu der immens großen Halle in Korczowa, die als Auffanglager dient und zum Schauplatz eines beständigen, kraftraubenden Wettstreits von Organisation und Chaos geworden ist.

Nicht zuletzt nahmen wir Kontakt zu einer anderen Dresdner Gruppe auf, mit der wir in der ersten April-Woche ein Treffen vereinbart haben, um Potenziale einer Zusammenarbeit auszuloten.

Wir werden euch hier weiter über alle Aktivitäten auf dem Laufenden halten und bauen auf euer Verständnis dafür, dass die Texte nicht immer zeitnah nach dem Wochenende erscheinen können.

Zudem möchten wir noch einmal unterstreichen, dass Krieg und Not ungemindert anhalten, was über die Spendenbereitschaft leider nicht gesagt werden kann. Uns ist bewusst, dass sehr viele Menschen in den letzten Wochen an ihre Grenzen und darüber hinaus gegangen sind. Aber wo noch Ressourcen für gezielte Hilfe vorhanden sind – für die Geflüchteten ist jede Hilfestellung ein Segen.

 

Danke euch allen da draußen für eure Unterstützung!

 

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